Veröffentlicht am Mai 15, 2024

Ein wirklich gesundes Wohnklima für Allergiker hängt nicht von einer einzelnen Farbdose ab, sondern vom gesamten Anstrichsystem.

  • Günstige Farben kosten durch schlechte Deckkraft oft mehr Zeit und Geld als hochwertige Produkte der Deckkraftklasse 1.
  • Selbst konservierungsmittelfreie Farben können durch herkömmliche Abtönpasten nachträglich kontaminiert und für Allergiker unbrauchbar werden.

Empfehlung: Prüfen Sie vor dem Kauf nicht nur die Inhaltsstoffe der Farbe, sondern auch die des gesamten Zubehörs wie Spachtelmasse und Grundierung und bestehen Sie auf ein zertifiziertes, konservierungsmittelfreies System.

Die Suche nach der perfekten Wandfarbe für das Kinderzimmer oder die eigene Wohnung als Allergiker kann schnell frustrierend werden. Überall lauern Begriffe wie „schadstoffarm“, „ökologisch“ oder „sensitiv“, doch was bedeuten sie wirklich? Viele greifen zu Produkten mit bekannten Siegeln wie dem „Blauen Engel“ in der Hoffnung, eine sichere Wahl zu treffen. Oft wird geraten, auf mineralische Farben wie Silikat- oder Kalkfarben zu setzen, da diese von Natur aus alkalisch sind und keinen Nährboden für Schimmel bieten. Doch diese Ratschläge kratzen nur an der Oberfläche eines vielschichtigen Problems.

Die Wahrheit ist, dass ein Anstrich mehr ist als nur die Farbe, die am Ende sichtbar ist. Ein wirklich wohngesundes Ergebnis ist das Resultat eines durchdachten Systems, bei dem jede Komponente zählt. Was nützt die teuerste Bio-Farbe, wenn der Untergrund mit einer ungeeigneten Spachtelmasse vorbereitet wurde? Oder wenn die Farbe selbst durch eine falsche Abtönpaste nachträglich mit genau den Konservierungsstoffen kontaminiert wird, die man vermeiden wollte? Diese „versteckte Kontamination“ ist eine der häufigsten Fehlerquellen, die das gesundheitliche Ziel untergräbt.

Dieser Artikel bricht mit der reinen Produktbetrachtung und führt Sie durch den gesamten Prozess aus der Sicht eines erfahrenen Malermeisters. Wir werden nicht nur klären, welche Farben geeignet sind, sondern vor allem, wie Sie den gesamten „Anstrichaufbau“ von der Untergrundvorbereitung bis zur Entsorgung so gestalten, dass ein dauerhaft gesundes und ästhetisch ansprechendes Zuhause entsteht. Es geht darum, den Systemgedanken zu verstehen, um kostspielige Fehler und gesundheitliche Risiken zu vermeiden.

Um Ihnen eine klare Orientierung zu geben, beleuchtet dieser Leitfaden alle entscheidenden Aspekte. Das Inhaltsverzeichnis führt Sie schrittweise durch die wichtigsten Fragen und Antworten für ein gelungenes und gesundes Malerprojekt.

Warum Sie bei billiger Farbe dreimal streichen müssen und am Ende draufzahlen?

Beim Kauf von Wandfarbe ist der Preis pro Eimer oft das erste, was ins Auge sticht. Doch dieser Fokus auf die anfänglichen Kosten führt häufig in die sogenannte Deckkraft-Falle. Günstige Farben haben meist eine schlechtere Pigmentierung und Bindemittelqualität, was sich direkt auf das Deckvermögen auswirkt. Dieses wird in Europa nach einer Norm in Klassen eingeteilt: Während eine Farbe der Klasse 1 ein Deckvermögen von über 99,5 % aufweist und oft schon mit einem einzigen Anstrich perfekt deckt, erreichen Farben der Klasse 3 oft nur 95 bis 98 %. Was nach einem kleinen Unterschied klingt, bedeutet in der Praxis, dass Sie ein zweites oder sogar drittes Mal streichen müssen.

Das Resultat ist nicht nur ein erheblich höherer Zeit- und Arbeitsaufwand. Sie verbrauchen auch deutlich mehr Material. Eine Farbe mit geringerer Ergiebigkeit zwingt Sie, mehr Eimer zu kaufen, was den ursprünglichen Preisvorteil schnell zunichtemacht. Ein Profi kalkuliert daher immer die Kosten pro fertig gestrichenem Quadratmeter, nicht pro Liter. Eine hochwertige, konservierungsmittelfreie Farbe der Deckkraftklasse 1 ist zwar in der Anschaffung teurer, spart aber am Ende nicht nur Nerven, sondern oft auch bares Geld.

Die folgende Tabelle verdeutlicht den Zusammenhang zwischen Deckkraftklasse, Ergiebigkeit und der notwendigen Anzahl an Anstrichen, wie eine aktuelle Klassifizierung zeigt.

Vergleich von Deckkraftklassen und Ergiebigkeit
Deckkraftklasse Deckvermögen Ergiebigkeit Anzahl Anstriche
Klasse 1 >99,5% ca. 7 m²/L 1-2
Klasse 3 95-98% ca. 5-6 m²/L 2-3

Für ein perfektes und zugleich gesundes Ergebnis ist die Investition in eine Farbe der Deckkraftklasse 1 also nicht nur eine Frage der Ästhetik, sondern auch der wirtschaftlichen Vernunft. Achten Sie daher beim Kauf weniger auf den Preis pro Eimer und mehr auf diese Qualitätskennzeichnung.

Wann ist die atmungsaktive Silikatfarbe ein Muss gegen Schimmelbildung?

Silikatfarben, oft auch als Mineralfarben bezeichnet, sind eine der besten Wahlen für ein gesundes Raumklima, insbesondere in Räumen mit schwankender Luftfeuchtigkeit. Im Gegensatz zu herkömmlichen Dispersionsfarben, die eine filmbildende Schicht auf der Wand erzeugen, geht Silikatfarbe eine chemische Verbindung mit dem mineralischen Untergrund ein – ein Prozess, der als Verkieselung bezeichnet wird. Das Ergebnis ist eine extrem langlebige und hoch diffusionsoffene, also „atmungsaktive“ Oberfläche. Diese Eigenschaft macht sie zu einem unverzichtbaren Werkzeug im Kampf gegen Schimmel.

Ein klassisches Anwendungsbeispiel sind Kellerräume, Waschküchen oder Bäder ohne Fenster. In solchen Feuchträumen kann die Wand Feuchtigkeit aus der Raumluft aufnehmen und bei sinkender Luftfeuchtigkeit wieder abgeben. Dieser natürliche Puffer-Effekt reguliert das Raumklima und entzieht Schimmelsporen die lebensnotwendige Feuchtigkeit an der Wandoberfläche. Ihre hohe Alkalität (ein pH-Wert von ca. 11) wirkt zusätzlich auf natürliche Weise desinfizierend und schimmelhemmend, ganz ohne den Einsatz von bioziden Konservierungsmitteln.

Kellerraum mit frisch aufgetragener Silikatfarbe auf mineralischem Untergrund, was die atmungsaktive Wirkung unterstreicht.

Allerdings funktioniert dieses System nur auf dem richtigen Untergrund. Silikatfarbe haftet ausschließlich auf mineralischen Oberflächen wie Kalk-, Zement- oder Gipsputz, Beton oder altem Mineralfarbenanstrich. Auf Tapeten, alten Dispersionsfarben oder Lacken kann sie keine Verbindung eingehen und würde abblättern. Eine sorgfältige Prüfung des Untergrunds ist daher unerlässlich, bevor Sie zur Silikatfarbe greifen.

Ihr Praxis-Check: Ist Ihr Untergrund für Silikatfarbe bereit?

  1. Sprühflaschentest: Besprühen Sie eine kleine Stelle der Wand mit Wasser. Zieht das Wasser schnell ein, ist der Untergrund saugfähig und wahrscheinlich mineralisch. Perlt es ab, handelt es sich um eine filmbildende Altfarbe.
  2. Klebebandtest: Drücken Sie ein starkes Klebeband fest auf die Wand und reißen es ruckartig ab. Bleiben Farbreste kleben, ist der Altanstrich nicht tragfähig und muss entfernt werden.
  3. Kratzprobe: Fahren Sie mit einem Spachtel oder einer Münze über die Oberfläche. Löst sich Material, muss der Untergrund verfestigt oder die lose Schicht entfernt werden.
  4. Systemtreue prüfen: Stellen Sie sicher, dass nicht nur der Putz, sondern auch eventuell verwendete Spachtelmassen mineralisch und frei von Kunstharzdispersionen sind.
  5. Tapeten ausschließen: Silikatfarbe ist grundsätzlich ungeeignet für Raufaser- oder andere Tapeten, da diese den direkten Kontakt zum mineralischen Putz verhindern.

Wenn die Bedingungen stimmen, ist Silikatfarbe die erste Wahl für alle, die eine dauerhafte, schimmelfreie und chemisch unbelastete Lösung für ihre Wände suchen.

Darf eingetrocknete Farbe in den Hausmüll oder muss sie zum Wertstoffhof?

Die Frage nach der korrekten Entsorgung von Farbresten ist ein wesentlicher Teil eines umwelt- und gesundheitsbewussten Renovierungsprojekts. Viele sind unsicher, wie mit leeren Eimern, eingetrockneten Resten oder noch flüssiger Farbe umzugehen ist. Die Regelungen in Deutschland sind hierbei recht klar, unterscheiden aber strikt nach dem Zustand und der Art der Farbe. Der entscheidende Faktor ist, ob die Farbe noch flüssig ist oder bereits vollständig ausgehärtet.

Für die gängigsten Wandfarben auf Wasserbasis (Dispersionsfarben) gilt: Vollständig eingetrocknete Farbreste gelten als normaler Haus- bzw. Restmüll. Sie können den eingetrockneten Farbklumpen aus dem Eimer lösen und in die Restmülltonne geben. Der leere, spachtelreine Kunststoffeimer gehört dann in den Gelben Sack oder die Gelbe Tonne. Um das Austrocknen zu beschleunigen, können Sie den Eimer offen an einem gut belüfteten Ort stehen lassen oder etwas Sägespäne bzw. Sand untermischen.

Ganz anders sieht es bei flüssigen Farbresten aus. Diese dürfen unter keinen Umständen in den Ausguss oder die Toilette gekippt werden, da die enthaltenen Bindemittel und Pigmente die Kläranlagen belasten. Flüssige Reste von Dispersionsfarben gelten als Sondermüll und müssen bei der kommunalen Sammelstelle, dem Wertstoffhof oder einem Schadstoffmobil abgegeben werden. Sie werden unter der Abfallschlüsselnummer (AVV) 08 01 12 (Farb- und Lackabfälle mit Ausnahme derjenigen, die unter 08 01 11 fallen) geführt. Dies gilt auch für vermeintlich „ökologische“ Dispersionsfarben, solange sie flüssig sind.

Eine Ausnahme bilden reine, ungetönte Mineralfarben wie Kalk- oder Lehmfarben ohne synthetische Zusätze. Restmengen davon können oft nach Rücksprache mit der Gemeinde als Bauschutt entsorgt oder in kleinen Mengen sogar auf dem Kompost ausgebracht werden. Im Zweifel gilt jedoch immer: Der Weg zum Wertstoffhof ist der sicherste, um eine fachgerechte Entsorgung zu gewährleisten.

Altweiß oder Polarweiß: Welcher Ton lässt Ihren Raum wärmer wirken?

Die Wahl des richtigen Weißtons hat einen enormen Einfluss auf die Atmosphäre eines Raumes. Während reines „Polarweiß“ oder „Signalweiß“ oft kühl, hart und in manchen Lichtsituationen fast bläulich wirkt, schaffen gebrochene Weißtöne eine deutlich wärmere und wohnlichere Stimmung. Farbtöne wie Altweiß, Cremeweiß oder Elfenbein enthalten einen kleinen Anteil an gelben, ockerfarbenen oder manchmal sogar rötlichen Pigmenten. Dieses Minimum an Farbe bricht die Härte des reinen Weiß und sorgt dafür, dass das Licht wärmer reflektiert wird.

Gerade in Räumen mit wenig natürlichem Tageslicht oder einer Ausrichtung nach Norden können kühle Weißtöne schnell ungemütlich und steril wirken. Ein warmer Weißton wie Altweiß kann hier Wunder wirken und dem Raum eine sanfte, einladende Ausstrahlung verleihen. Polarweiß eignet sich hingegen gut für sehr moderne, minimalistische Einrichtungsstile oder um in sehr sonnigen, lichtdurchfluteten Räumen eine frische, klare Optik zu erzielen.

Raumecke mit zwei unterschiedlichen Weißtönen zum direkten Vergleich, links ein warmes Altweiß, rechts ein kühles Polarweiß.

Doch gerade bei der Wahl eines abgetönten Farbtons lauert für Allergiker eine oft übersehene Gefahr. Viele Baumärkte bieten an, konservierungsmittelfreie Basisfarben an der Mischmaschine im Wunschton abzutönen. Das Problem: Die hierfür verwendeten Abtönpasten sind in der Regel hochkonzentriert und enthalten Konservierungsstoffe wie Isothiazolinone, um sie haltbar zu machen. Damit wird die teuer gekaufte, gesunde Basisfarbe nachträglich kontaminiert.

Vorsicht bei Abtönfarben und Farbmischsystemen: Unter Umständen gelangt auf diesem Weg das allergieauslösende Konservierungsmittel in die Farbe. Das Hinzufügen von konventionellen Abtönpasten kann eine teure, konservierungsmittelfreie Basisfarbe kontaminieren.

– Verbraucherzentrale NRW, Schadstoffe in Gebäuden

Für Allergiker ist es daher unerlässlich, entweder auf bereits fertig abgetönte, zertifiziert konservierungsmittelfreie Farben zurückzugreifen oder ein System zu wählen, bei dem auch die Pigmentpasten nachweislich frei von allergieauslösenden Stoffen sind. Nur so ist die Wirkstoff-Kette lückenlos und das gesundheitliche Ziel gesichert.

Wie bereiten Sie saugenden Untergrund vor, damit die Farbe nicht abblättert?

Eine der häufigsten Ursachen für ein misslungenes Anstrichergebnis ist ein falsch vorbereiteter Untergrund. Insbesondere stark oder ungleichmäßig saugende Oberflächen wie neue Gipsputze, Gipskartonplatten oder poröse Altputze stellen eine große Herausforderung dar. Trägt man die Farbe hier direkt auf, entzieht der Untergrund dem frischen Anstrich blitzschnell das Wasser. Die Folge: Die Farbe „verbrennt“, trocknet zu schnell, kann keine geschlossene Oberfläche bilden und die Bindemittel können nicht richtig vernetzen. Das Ergebnis sind unschöne Flecken, Streifenbildung und eine geringe Haftung, die später zum Abblättern der Farbe führen kann.

Um dies zu verhindern, ist eine fachgerechte Grundierung unerlässlich. Sie hat die Aufgabe, die Saugfähigkeit des Untergrunds zu regulieren und zu vereinheitlichen. Dadurch wird sichergestellt, dass die nachfolgende Farbschicht gleichmäßig trocknen kann und eine optimale Haftung zum Untergrund aufbaut. Für Allergiker ist es dabei entscheidend, auch bei der Grundierung auf ein konservierungsmittelfreies Produkt zu achten, das zum gewählten Farbsystem passt. Für eine Silikatfarbe muss zwingend eine Silikat-Grundierung (auch Wasserglas genannt) verwendet werden, während für Dispersionsfarben ein sogenannter Tiefgrund zum Einsatz kommt.

Die professionelle Vorbereitung eines saugenden Untergrunds umfasst mehrere Schritte, um die Beschaffenheit der Wand genau zu analysieren und die richtigen Maßnahmen zu ergreifen.

  1. Benetzungsprobe durchführen: Der wichtigste Test ist, mit einem nassen Pinsel oder Schwamm Wasser auf die Wand aufzutragen. Dunkelt sich die Stelle schnell und stark, ist der Untergrund stark saugend. Perlt das Wasser ab, ist er nicht saugend.
  2. Festigkeit prüfen (Kratz- und Wischprobe): Fahren Sie mit der Hand über die Wand. Kreidet sie (weißer Abrieb an der Hand), muss sie abgewaschen oder grundiert werden. Prüfen Sie mit einem Spachtel, ob sich Putz leicht abkratzen lässt. Lose Teile müssen entfernt werden.
  3. Haftfähigkeit testen (Klebebandtest): Besonders bei Altanstrichen ist es wichtig, mit einem Klebeband zu prüfen, ob die alte Farbschicht noch fest haftet.
  4. Passende Grundierung wählen: Für stark saugende Untergründe einen lösemittelfreien Tiefgrund verwenden. Bei mineralischen Farbsystemen (Silikat, Kalk) muss die Grundierung ebenfalls mineralisch sein.
  5. Systemtreue beachten: Achten Sie darauf, dass auch Ausbesserungen, z.B. mit Spachtelmasse, zum System passen. Eine gipshaltige Spachtelmasse unter einer reinen Kalkfarbe kann zu Problemen führen. Verwenden Sie auch hier konservierungsmittelfreie Produkte.

Nur ein sorgfältig vorbereiteter und grundierter Untergrund bildet die stabile Basis für einen langlebigen, schönen und gesundheitlich unbedenklichen Wandanstrich. Dieser Schritt ist kein Luxus, sondern eine absolute Notwendigkeit.

Warum zu trockene Heizungsluft im Winter Ihre Infektanfälligkeit erhöht?

Während der Heizperiode im Winter sinkt die relative Luftfeuchtigkeit in Innenräumen oft auf Werte unter 30 %. Diese trockene Luft ist nicht nur unangenehm, sondern stellt auch eine Belastung für unsere Gesundheit dar. Unsere Schleimhäute in Nase und Rachen sind die erste Verteidigungslinie des Körpers gegen Viren und Bakterien. Sind sie ausgetrocknet, können sie ihre Reinigungs- und Abwehrfunktion nicht mehr optimal erfüllen. Krankheitserreger haben es leichter, sich festzusetzen und zu vermehren, was unsere Anfälligkeit für Erkältungen und grippale Infekte spürbar erhöht.

Eine ideale relative Luftfeuchtigkeit für Wohn- und Arbeitsräume liegt im Bereich von 40 % bis 60 %. In diesem Korridor fühlen wir uns nicht nur am wohlsten, auch die Überlebensfähigkeit von Viren in der Raumluft ist hier am geringsten. Neben klassischen Maßnahmen wie dem Aufstellen von Wasserschalen oder dem Einsatz von Luftbefeuchtern kann auch die Wahl der Wandfarbe einen signifikanten Beitrag zu einem gesünderen Raumklima leisten. Hier kommen die feuchtigkeitsregulierenden Eigenschaften von mineralischen Farben ins Spiel.

Fallbeispiel: Feuchtigkeitsregulierung durch Lehmfarbe

Eine Familie, deren Kinder im Winter häufig unter Atemwegsinfekten litten, entschied sich, das Kinderzimmer mit Lehmfarbe zu streichen. Lehmfarben sind extrem diffusionsoffen und können, wie eine Studie zur Raumluftqualität bestätigt, große Mengen an Luftfeuchtigkeit aufnehmen und bei Bedarf wieder abgeben. Messungen vor und nach der Renovierung zeigten, dass die Luftfeuchtigkeit im Raum auch bei laufender Heizung seltener unter die kritische 40-%-Marke fiel. Die Wände wirkten wie ein natürlicher Puffer, der die trockene Heizungsluft ausglich und so zu einem stabileren und gesünderen Raumklima beitrug.

Materialien wie Lehm- oder Kalkputze und -farben unterstützen aktiv den mineralischen Kreislauf eines Raumes. Sie wirken wie eine dritte Haut und helfen, die Luftfeuchtigkeit auf natürliche Weise in einem optimalen Bereich zu halten. Diese Eigenschaft macht sie zu einem wichtigen Baustein für ein präventives Gesundheitskonzept in den eigenen vier Wänden, das weit über die reine Vermeidung von Schadstoffen hinausgeht.

Warum dunkle Wandfarben in kleinen Räumen oft bedrückend wirken?

Dunkle Wandfarben können einem Raum eine außergewöhnliche Tiefe, Eleganz und Gemütlichkeit verleihen. Sie schaffen eine intime, fast höhlenartige Atmosphäre und lassen helle Möbel oder Kunstwerke eindrucksvoll hervortreten. Doch in kleinen oder schlecht beleuchteten Räumen kann dieser Effekt schnell ins Gegenteil umschlagen. Dunkle Flächen absorbieren sehr viel Licht, anstatt es zu reflektieren. Dadurch kann ein kleiner Raum optisch noch weiter schrumpfen und schnell eng, drückend und düster wirken.

Wenn Sie dennoch nicht auf einen dunklen Ton verzichten möchten, sollten Sie strategisch vorgehen. Anstatt alle vier Wände dunkel zu streichen, kann eine einzelne Akzentwand – idealerweise die Wand gegenüber dem Fenster – einen dramatischen und stilvollen Fokuspunkt setzen, ohne den Raum zu erdrücken. Eine weitere Möglichkeit ist, nur den unteren Teil der Wände dunkel zu gestalten und den oberen Teil sowie die Decke in einem hellen Ton zu belassen, was den Raum optisch streckt.

Kleiner Raum mit einer dunkel gestrichenen Akzentwand aus mineralischer Farbe, die eine pudrige Textur aufweist.

Bei der Verwendung von ökologischen Mineralfarben gibt es bei dunklen Tönen eine besondere Herausforderung zu beachten. Da diese Farben ihre Deckkraft aus natürlichen Pigmenten beziehen, ist die Deckkraft bei intensiven, dunklen Farbtönen oft geringer als bei hellen. Dies erfordert besondere Sorgfalt bei der Verarbeitung.

Bei dunklen Tönen, insbesondere bei mineralischen Farben, benötigt man oft eine getönte Grundierung oder mehrere Anstriche. Die Deckkraft bei dunklen Farbtönen ist eine Herausforderung, aber das Ergebnis mit der matten, pudrigen Oberfläche schafft eine besondere Atmosphäre.

– Erfahrungsbericht, Werkstatt-Magazin

Um ein fleckiges Ergebnis zu vermeiden, ist es ratsam, eine zum Farbton passende, abgetönte Grundierung zu verwenden. Dies sättigt den Untergrund bereits farblich vor und reduziert die Anzahl der notwendigen Schlussanstriche. Trotz des höheren Aufwands belohnen dunkle Mineralfarben mit einer einzigartigen, samtig-matten Oberfläche und einer Farbtiefe, die mit konventionellen Farben kaum zu erreichen ist.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein gesundes Wohnklima entsteht durch ein komplettes System (Untergrund, Spachtel, Grundierung, Farbe), nicht durch ein einzelnes Produkt.
  • Die Deckkraftklasse 1 ist entscheidend, um Zeit, Material und Geld zu sparen und ist ein besseres Qualitätsmerkmal als der Preis pro Eimer.
  • Selbst zertifiziert konservierungsmittelfreie Farben können durch falsche Abtönpasten für Allergiker unbrauchbar werden – hier ist höchste Vorsicht geboten.

Wie entfernen Sie alte Raufasertapete, die mehrfach überstrichen wurde, ohne den Putz zu beschädigen?

Mehrfach überstrichene Raufasertapete zu entfernen, ist eine der mühsamsten Aufgaben bei der Renovierung. Die Farbschichten bilden eine wasserundurchlässige Barriere, die das Einweichen der Tapete verhindert. Wer hier ungeduldig mit einem scharfkantigen Metallspachtel zu Werke geht, riskiert tiefe Kratzer und Löcher im darunterliegenden Putz, deren Reparatur aufwendig und teuer ist. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der richtigen Vorbereitung und dem passenden Werkzeug.

Der erste und wichtigste Schritt ist, die wasserfeste Farbschicht zu perforieren. Hierfür ist eine sogenannte Igelwalze (auch Stachel- oder Tapetenwalze) das Werkzeug der Wahl. Rollen Sie damit kreuz und quer über die gesamte Wandfläche. Die kleinen Stacheln dringen durch die Farbschichten und stanzen unzählige kleine Löcher in die Tapete, ohne den Putz dahinter zu beschädigen. Durch diese Perforation kann nun Wasser eindringen und den alten Tapetenkleister aufweichen.

Anschließend wird die Wand großzügig eingeweicht. Eine Mischung aus warmem Wasser und einem Schuss Spülmittel bricht die Oberflächenspannung und hilft dem Wasser, besser einzudringen. Tragen Sie die Flüssigkeit mit einer Deckenbürste oder einem Gartensprühgerät satt auf und lassen Sie sie mindestens 15-20 Minuten einwirken. Wiederholen Sie diesen Vorgang bei Bedarf mehrmals, bis die Tapete sichtlich durchfeuchtet ist. Bei besonders hartnäckigen Fällen kann das Mieten eines Dampf-Tapetenablösegeräts aus dem Baumarkt (z.B. OBI, Bauhaus) die Arbeit erheblich erleichtern.

Zum eigentlichen Ablösen verwenden Sie unbedingt einen Kunststoffspachtel mit abgerundeten Ecken oder einen speziellen Tapetenschaber. Setzen Sie ihn flach an einer aufgequollenen Naht an und versuchen Sie, ganze Bahnen abzuziehen. Arbeiten Sie geduldig und weichen Sie trockene Stellen immer wieder nach. So schützen Sie den Putz und ersparen sich aufwendige Spachtelarbeiten vor dem neuen Anstrich.

Eine gründliche Vorbereitung ist die Basis für jeden neuen Anstrich, und dazu gehört auch das sachgemäße Entfernen von Altanstrichen und Tapeten.

Häufig gestellte Fragen zu konservierungsmittelfreien Wandfarben

Können eingetrocknete Dispersionsfarben in den Hausmüll?

Ja, vollständig eingetrocknete Dispersionsfarben gelten als Restmüll. Der leere und saubere Plastikeimer kann anschließend über den Gelben Sack entsorgt werden.

Was gilt für flüssige Farbreste?

Flüssige Farbreste sind Sondermüll und müssen zum Wertstoffhof oder einem Schadstoffmobil gebracht werden. Sie dürfen keinesfalls in den Abfluss oder die Toilette gelangen. Die offizielle Abfallschlüssel-Nummer lautet 08 01 12.

Wie entsorge ich reine Ökofarben?

Reste reiner, ungetönter Kalk- oder Lehmfarben, die keine synthetischen Bindemittel enthalten, können in Absprache mit der lokalen Gemeinde oft als Bauschutt entsorgt oder in kleinen Mengen sogar kompostiert werden.

Geschrieben von Markus Hofer, Schreinermeister und Restaurator mit eigener Werkstatt. Spezialist für Materialkunde, Möbelaufarbeitung und nachhaltige Bodenbeläge mit über 20 Jahren Handwerkserfahrung.