
Zusammenfassend:
- Der Einstieg in die Acrylmalerei erfordert keine teure Vollausstattung. Ein System aus nur fünf Grundfarben ist mächtiger als ein Set aus 24 minderwertigen Tuben.
- Die Qualität des Papiers ist entscheidender als die Anzahl der Farben. Billiges Papier wellt sich und zerstört Ihr Ergebnis, bevor Sie überhaupt fertig sind.
- Clevere „Werkstatt-Hacks“ wie eine DIY-Nasspalette und die richtige Pinselpflege sparen Ihnen hunderte Euro für Material.
- Einfache Techniken wie die 60-30-10-Regel für Farbharmonie und die Rastermethode für Proportionen sind die größten Hebel für schnelle, sichtbare Erfolge.
Sie stehen vor dem Regal im Künstlerbedarf und fühlen sich erschlagen. Reihen über Reihen von Farbtuben, von „Titanweiß“ bis „Phthalocyaningrün“, jede mit einem verlockenden Versprechen. Der Traum, endlich mit dem Malen zu beginnen, trifft auf die harte Realität der Kosten und der unendlichen Auswahl. Viele Ratgeber und Online-Shops verstärken diesen Druck mit der Botschaft: Du brauchst ein riesiges Set, um wirklich kreativ zu sein. Das ist der schnellste Weg, Geld zu verbrennen und die anfängliche Freude in Frustration zu verwandeln.
Die Wahrheit ist: Professionelle Künstler denken nicht in Sammlungen, sondern in Systemen. Der Wechsel von der Ölmalerei zur vielseitigen Acrylmalerei wurde gerade deshalb so populär, weil sie so zugänglich ist. Doch diese Zugänglichkeit wird oft mit einer Materialschlacht verwechselt. Was wäre, wenn der Schlüssel zum Erfolg nicht darin liegt, *mehr* zu kaufen, sondern *besser* zu verstehen? Wenn Sie mit einer Handvoll smarter Entscheidungen 90 % der typischen Anfängerfehler vermeiden und dabei Ihren Geldbeutel schonen könnten? Genau das ist das Prinzip der Materialintelligenz – und es ist einfacher, als Sie denken.
Dieser Leitfaden ist Ihr persönlicher Kunstlehrer. Wir werden die lauten Verkaufsargumente ignorieren und uns auf die stillen, aber wirkungsvollen Wahrheiten konzentrieren. Wir bauen gemeinsam eine minimale, aber unendlich flexible Farbpalette auf, wählen den richtigen Malgrund, der Ihre Arbeit zum Strahlen bringt, und lernen die entscheidenden Handgriffe, um Ihre Werkzeuge zu pflegen. Vergessen Sie die Überforderung. Es ist Zeit, mit Freude, Vertrauen und einem klaren Plan zu starten.
Bevor wir in die Theorie eintauchen, zeigt das folgende Video ein Beispiel für ein cleveres Werkzeug, das viele Künstler nutzen: die Nasspalette. Es ist ein perfektes Beispiel dafür, wie eine einfache Idee einen großen Unterschied machen kann – ein Prinzip, das sich durch diesen gesamten Leitfaden zieht.
Dieser Artikel ist Ihr klarer Fahrplan. Wir gehen Schritt für Schritt durch die entscheidenden Fragen, damit Sie teure Fehler vermeiden und Ihre kreative Energie direkt auf die Leinwand bringen können. Entdecken Sie, wie Sie mit weniger Material mehr erreichen.
Inhaltsverzeichnis: Der sparsame Guide zur Acrylmalerei
- Warum Sie eigentlich nur 5 Tuben brauchen, um jedes Bild zu malen?
- Warum wellt sich billiges Papier und ruiniert Ihr Ergebnis sofort?
- Wie retten Sie eingetrocknete Acrylpinsel, bevor Sie sie wegwerfen?
- Acryl-Binder oder Wasser: Wie halten Sie die Farbe länger verarbeitbar?
- Firnis ja oder nein: Wie schützen Sie Ihr Aquarell vor UV-Licht und Staub?
- Warum dunkle Wandfarben in kleinen Räumen oft bedrückend wirken?
- Das Risiko von zu vielen knalligen Farben: Wie finden Sie die Balance?
- Wie lernen Sie Proportionen zeichnen, ohne dass die Figuren „falsch“ aussehen?
Warum Sie eigentlich nur 5 Tuben brauchen, um jedes Bild zu malen?
Die Farbenindustrie ist ein riesiges Geschäft, das von der Idee lebt, dass für jede Nuance eine eigene Tube nötig ist. Allein in Deutschland wurden 2023 Farben und Lacke im Wert von über 6 Milliarden Euro verkauft. Doch dieser Überfluss ist für einen Anfänger keine Hilfe, sondern eine Falle. Anstatt ein Set mit 24 schwach pigmentierten Farben zu kaufen, von denen Sie 20 nie benutzen, investieren Sie in fünf hochwertige Tuben. Das ist keine Einschränkung, sondern ein mächtiges System. Die sogenannte erweiterte Zorn-Palette, benannt nach dem schwedischen Maler Anders Zorn, ist der perfekte Startpunkt.
Mit dieser Auswahl können Sie praktisch jeden Farbton mischen, den Sie benötigen – von leuchtenden Grüntönen über sanfte Hautfarben bis hin zu tiefen Schatten. Der Trick liegt im Verständnis der Farbbeziehungen, nicht im Sammeln von Tuben. Sie lernen, wie ein Hauch Rot ein Blau erwärmt oder wie Schwarz und Ocker ein gedämpftes Grün erzeugen. Diese Hebelwirkung ist der Kern der Malerei. Erfahrene Künstler in Deutschland empfehlen für den Einstieg Marken wie Amsterdam, Winsor & Newton oder Schmincke. Diese bieten ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis und sind in jedem Künstlerbedarf leicht zu finden.
Die grundlegende Palette, die Ihnen unendliche Möglichkeiten eröffnet, besteht aus:
- Titanweiß: Ihr wichtigstes Werkzeug. Es dient zum Aufhellen und als Basis für fast jede Mischung.
- Elfenbeinschwarz: Nicht nur zum Abdunkeln, sondern auch, um Farben zu „brechen“ und neutrale Grautöne zu mischen.
- Lichter Ocker: Ein warmer Erdton, der die Basis für natürliche Landschaften, Holz und viele Hauttöne bildet.
- Ultramarinblau: Ein kühles, tiefes Blau, das sich perfekt für Himmel, Wasser und das Mischen von satten Grüntönen (mit Ocker) eignet.
- Kadmiumrot (mittel): Ein kräftiges, warmes Rot für Akzente, das Mischen von Orange (mit Ocker) und Violett (mit Blau).
Indem Sie sich auf dieses System konzentrieren, trainieren Sie Ihr Auge und Ihr Verständnis für Farbe viel intensiver, als wenn Sie passiv auf eine fertige Farbe aus der Tube zurückgreifen. Das ist der wahre Weg zur Meisterschaft.
Warum wellt sich billiges Papier und ruiniert Ihr Ergebnis sofort?
Nichts ist frustrierender: Sie malen gerade einen wunderschönen Himmel, doch das Papier beginnt sich zu heben und zu verziehen. Die Farbe sammelt sich in den Tälern, die Oberfläche wird unkontrollierbar und das ganze Bild wirkt billig. Der Schuldige ist fast immer die falsche Papierwahl. Normales Druckerpapier (80 g/m²) oder dünner Zeichenkarton sind für die wässrige Natur von Acrylfarbe absolut ungeeignet. Die Fasern quellen unkontrolliert auf und das Ergebnis ist ruiniert.
Die Lösung ist einfach und nicht zwingend teuer: Achten Sie auf die Grammatur. Für Acrylmalerei ist ein Papier mit mindestens 300 g/m² unerlässlich. Dieses Papier ist dick und stabil genug, um die Feuchtigkeit aufzunehmen, ohne sich stark zu wellen. Es gibt spezielle Acrylblöcke, die oft schon eine leicht strukturierte Oberfläche haben, die an Leinwand erinnert. Diese Investition von wenigen Euro mehr pro Block macht einen gigantischen Unterschied in der Qualität und im Malerlebnis. Sie kämpfen nicht mehr gegen das Material, sondern arbeiten mit ihm.

Wie die Abbildung deutlich zeigt, bleibt die Farbe auf einem hochwertigen Untergrund dort, wo sie hingehört. Für alle, die noch sparsamer sein wollen und gerne etwas basteln, gibt es einen fantastischen Hack aus dem Baumarkt. Mit diesem Trick stellen Sie professionelle, absolut wellenfreie Malgründe für wenige Euro selbst her. Es ist ein Paradebeispiel für „Werkstatt-Denken“.
- Besorgen Sie sich eine dünne MDF-Platte (ca. 6 mm dick) aus dem Baumarkt (z.B. OBI oder Hornbach), oft schon für 3-5 Euro im Zuschnitt erhältlich.
- Rauen Sie die Oberfläche mit feinem Schleifpapier (240er Körnung) leicht an.
- Tragen Sie zwei dünne Schichten weiße Grundierung (Gesso) mit einer Malerrolle auf. Gesso versiegelt die Platte und gibt der Farbe Halt.
- Lassen Sie die erste Schicht gut trocknen (ca. 2 Stunden), bevor Sie die zweite auftragen.
Das Ergebnis ist eine perfekt glatte, stabile und langlebige Malfläche, die sich anfühlt wie eine teure Holztafel – für einen Bruchteil des Preises.
Wie retten Sie eingetrocknete Acrylpinsel, bevor Sie sie wegwerfen?
Ein Pinsel, bei dem die Borsten hart wie Stein und zu einem unbrauchbaren Klumpen verklebt sind – jeder Anfänger kennt dieses Problem. Acrylfarbe trocknet wasserfest auf, und wenn sie einmal tief in der Zwinge (dem Metallteil des Pinsels) getrocknet ist, scheint der Pinsel verloren. Bevor Sie ihn jedoch wegwerfen und teuer ersetzen, gibt es eine sehr effektive Erste-Hilfe-Methode mit einfachen Hausmitteln, die Sie wahrscheinlich schon zu Hause haben oder günstig bei dm oder Rossmann finden.
Dieser Trick zur Ressourcenschonung hat schon unzählige Pinsel vor dem Mülleimer bewahrt. Der Schlüssel ist die Kombination aus Wärme, Säure und mechanischer Reinigung.
- Weichen Sie den Pinsel für etwa 30 Minuten in einem Glas mit warmem (nicht kochendem) Wasser und 2 Esslöffeln Essigessenz ein. Die Säure beginnt, den getrockneten Acryl-Binder aufzulösen.
- Nehmen Sie eine alte Zahnbürste und bürsten Sie vorsichtig vom Ansatz der Borsten (an der Zwinge) zur Spitze hin. Sie werden sehen, wie sich die Farbreste lösen.
- Waschen Sie den Pinsel danach gründlich mit Kernseife oder einem speziellen Pinselreiniger aus, bis das Wasser klar bleibt.
- Drücken Sie das Wasser vorsichtig aus, bringen Sie die Borsten mit den Fingern wieder in ihre ursprüngliche Form und lassen Sie den Pinsel liegend trocknen.
Die wichtigste Lektion ist jedoch die Prävention. Ein einfacher Trick von erfahrenen Künstlern kann Ihnen hunderte Euro für neue Pinsel sparen, wie die deutsche Künstlerin Anke auf ihrem Kanal „Malen mit Anke“ berichtet:
Ich hab‘ auch einfach angefangen – mit YouTube-Videos und dem Nachmalen von Künstlern. Das wichtigste, was ich gelernt habe: Pinsel während des Malens auf einem feuchten Küchenpapier ablegen statt im Wasserglas. Das hat mir hunderte Euro für neue Pinsel gespart!
– Anke, Malen mit Anke
Wenn ein Pinsel im Wasserglas steht, dringt Wasser in die Zwinge ein, löst den Leim und lässt die Borsten ausfallen. Ein feuchtes Tuch hält die Farbe geschmeidig, ohne den Pinsel zu ruinieren.
Acryl-Binder oder Wasser: Wie halten Sie die Farbe länger verarbeitbar?
Acrylfarbe hat einen großen Vorteil und zugleich eine Herausforderung: Sie trocknet schnell. Das ist ideal für Schichttechniken, aber ein Albtraum, wenn Sie sanfte Farbübergänge malen oder Ihre gemischten Farbtöne länger verwenden möchten. Der intuitive Griff zur Wasserflasche, um die Farbe zu verdünnen, ist einer der häufigsten Anfängerfehler. Zu viel Wasser zerstört die Pigmentbindung im Acryl. Die Farbe verliert ihre Leuchtkraft, wird kreidig und haftet nach dem Trocknen schlechter auf dem Untergrund.
Die professionelle Lösung sind Malmittel oder Acryl-Binder. Sie erhalten die Konsistenz und Leuchtkraft der Farbe, verlängern aber die Trocknungszeit. Die Künstlerin Gerda Lipski erklärt den Unterschied mit einer wunderbaren Analogie:
Wasser ist wie Wasser zur Bratensoße geben – es verdünnt Geschmack und Konsistenz. Binder oder Malmittel ist wie Sahne hinzufügen – es macht sie geschmeidiger, ohne die Kraft zu nehmen.
– Gerda Lipski, YouTube-Kanal zur Acrylmalerei
Für den sparsamen Einstieg gibt es jedoch eine noch cleverere Methode, um die Farbe tagelang frisch zu halten: eine selbstgebaute Nasspalette (Wet Palette). Dieses Werkzeug ist ein perfektes Beispiel für einen genialen „Werkstatt-Hack“, der auf einem einfachen physikalischen Prinzip beruht.
DIY-Nasspaletten-Trick für unter 2 Euro
Das Prinzip ist einfach: Eine feuchte Oberfläche gibt kontinuierlich Feuchtigkeit an die Farbe ab und hindert sie am Trocknen. Sie benötigen lediglich eine flache, verschließbare Frischhaltedose (z.B. von Toppits), ein paar Blätter Küchenpapier und ein Stück Backpapier. Legen Sie das Küchenpapier in die Dose, tränken Sie es gut mit Wasser (es sollte feucht, aber nicht schwimmend sein) und legen Sie das Backpapier glatt darauf. Ihre Farben, die Sie nun auf das Backpapier geben, bleiben bei geschlossenem Deckel tagelang frisch und verarbeitbar.
Diese einfache, selbstgebaute Lösung ist genauso effektiv wie teure, gekaufte Produkte und ermöglicht es Ihnen, Ihre exakt gemischten Farbtöne auch am nächsten Tag weiterzuverwenden – eine enorme Ersparnis an Farbe und Zeit.
Firnis ja oder nein: Wie schützen Sie Ihr Aquarell vor UV-Licht und Staub?
Stellen Sie sich vor, Sie haben Ihr erstes Meisterwerk vollendet. Die Farben leuchten, Sie sind stolz. Doch mit der Zeit verblassen die Farben durch UV-Licht, Staub legt sich auf die Oberfläche und ein unachtsamer Moment hinterlässt einen Kratzer. Um das zu verhindern, gibt es eine Schutzschicht, die als letzter Schritt aufgetragen wird: der Firnis (Varnish). Für viele Anfänger stellt sich die Frage: Ist das wirklich nötig? Die kurze Antwort ist: Ja, wenn Sie möchten, dass Ihr Werk die Zeit überdauert.
Ein Firnis erfüllt drei Hauptaufgaben: Er schützt vor UV-Strahlung und beugt dem Verblassen der Farben vor, er schützt die Oberfläche vor Schmutz, Staub und Kratzern und er vereinheitlicht den Glanzgrad des Bildes. Acrylfarben können je nach Pigment und Malmittel unterschiedlich (mal matt, mal glänzend) auftrocknen. Ein Firnis sorgt für ein homogenes Erscheinungsbild. Die Wahl des richtigen Schutzes hängt von Ihrem ästhetischen Ziel und Ihrem Budget ab.
Die folgende Tabelle gibt Ihnen einen klaren Überblick über die gängigsten Optionen, ihre Kosten und ihre jeweiligen Vor- und Nachteile, basierend auf einer vergleichenden Analyse von Schutzoptionen.
| Schutzoption | Kosten | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|---|
| Glanzfirnis | 8-15€ | Farben wirken intensiver | Spiegelungen möglich |
| Mattfirnis | 8-15€ | Keine Reflexionen | Farben wirken matter |
| IKEA-Rahmen mit Glas | 5-20€ | Kompletter Schutz, kein Chemie | Gewicht, Spiegelung |
Für den Anfang ist ein Sprühfirnis (glänzend oder matt) die einfachste und sicherste Methode. Wichtig: Tragen Sie ihn erst auf, wenn das Bild vollständig durchgetrocknet ist (mindestens 24-48 Stunden). Eine günstige und chemiefreie Alternative ist ein einfacher Bilderrahmen mit Glasscheibe, wie man ihn bei IKEA findet. Dieser bietet ebenfalls perfekten Schutz vor Staub und Berührungen.
Warum dunkle Wandfarben in kleinen Räumen oft bedrückend wirken?
Dieses Prinzip aus der Innenarchitektur lässt sich 1:1 auf die Malerei übertragen. Eine dunkle Farbe an der Wand „schluckt“ das Licht und lässt einen Raum kleiner und enger erscheinen. In einem Gemälde passiert genau dasselbe: Große, dunkle Flächen ohne Lichtreflexe können eine Komposition erdrücken, ihr die Luft nehmen und sie flach wirken lassen. Besonders für Anfänger ist es eine große Herausforderung, Tiefe und Leben in dunkle Bereiche zu bringen.
Obwohl dunkle Töne für Dramatik und Kontrast sorgen können, ist ihre Dominanz riskant. Es ist kein Zufall, dass laut einer aktuellen Umfrage nur 5% der Deutschen dunkle Töne wie Schwarz oder Braun als Lieblingsfarbe nennen, während helle und mittlere Töne wie Blau (19%) weit vorne liegen. Wir fühlen uns in hellen, luftigen Umgebungen wohler. Ein Bild sollte den Betrachter einladen, nicht abweisen. Der Schlüssel liegt darin, Dunkelheit als Akzent oder als Folie für leuchtende Elemente zu nutzen, nicht als Hauptdarsteller.

In einem typischen deutschen Altbau mit hohen Decken und großen Fenstern kann eine dunkle Wand funktionieren, weil viel natürliches Licht vorhanden ist. Auf einer Leinwand müssen Sie dieses Licht selbst erschaffen. Anstatt eine Fläche einfach mit Schwarz zu füllen, mischen Sie Ihr Dunkel aus Komplementärfarben (z.B. Ultramarinblau und einem Hauch Kadmiumrot). Dieses gemischte „Schwarz“ ist lebendiger und enthält subtile Farbvariationen, die das Licht einfangen. Setzen Sie dann gezielt Lichtakzente, um die Form zu definieren und Tiefe zu erzeugen.
Denken Sie immer daran: Dunkelheit ist nur die Abwesenheit von Licht. Ihre Aufgabe als Maler ist es, dieses Licht wieder ins Bild zu bringen, selbst in den dunkelsten Ecken.
Das Risiko von zu vielen knalligen Farben: Wie finden Sie die Balance?
Wenn man eine ganze Palette leuchtender Farben zur Verfügung hat, ist die Versuchung groß, sie alle gleichzeitig zu verwenden. Das Ergebnis ist jedoch oft das Gegenteil von dem, was man beabsichtigt: Anstatt lebendig und energiegeladen zu wirken, wird das Bild laut, chaotisch und visuell anstrengend. Das Auge findet keinen Ruhepunkt und die einzelnen Farben verlieren ihre Kraft, weil sie sich gegenseitig überstrahlen. Wie bei einem Orchester, in dem alle Instrumente gleichzeitig so laut wie möglich spielen, geht die Melodie verloren.
Die Lösung ist eine bewusste und strukturierte Herangehensweise an die Farbkomposition. Eine der einfachsten und effektivsten Methoden ist die 60-30-10-Regel, die aus dem Design und der Innenarchitektur stammt. Sie schafft sofort eine visuelle Hierarchie und sorgt für eine angenehme Harmonie, ohne die Ausdruckskraft zu beschneiden. Sie zwingt Sie, Entscheidungen zu treffen und eine klare emotionale Richtung für Ihr Bild festzulegen.
Die Regel ist denkbar einfach und lässt sich als klares System anwenden:
- 60% Hauptfarbe: Dies ist Ihre dominante Farbe, die den größten Teil der Fläche einnimmt. Oft sind dies neutralere, selbstgemischte Töne, die den Hintergrund und die Grundstimmung des Bildes bestimmen.
- 30% Nebenfarbe: Diese Farbe unterstützt die Hauptfarbe und sorgt für visuellen Kontrast und Interesse. Sie sollte deutlich anders sein, aber harmonisch zur Hauptfarbe passen.
- 10% Akzentfarbe: Dies ist Ihr „Juwel“. Eine leuchtende, kräftige Farbe, die an wenigen, strategisch wichtigen Stellen platziert wird, um den Blick des Betrachters zu lenken und dem Bild einen Funken Energie zu verleihen.
Ihre Checkliste für eine harmonische Farbpalette
- Punkte de contact: Listen Sie alle Farben auf, die in Ihrem gewünschten Motiv vorkommen.
- Collecte: Inventarisieren Sie die Farbtöne, die Sie bereits auf Ihrer Palette angemischt haben.
- Cohérence: Gleichen Sie Ihre Farbauswahl mit den Kriterien der 60-30-10-Regel ab. Passt die Verteilung?
- Mémorabilité/émotion: Prüfen Sie die emotionale Wirkung. Ist Ihre Akzentfarbe stark genug? Ist Ihre Hauptfarbe dezent genug, um als Bühne zu dienen?
- Plan d’intégration: Mischen Sie gezielt die fehlenden Töne (insbesondere die neutralen 60%), um die Lücken in Ihrer harmonischen Palette zu füllen.
Ein Tipp für noch mehr Harmonie: Mischen Sie einen winzigen Hauch jeder Farbe in die anderen. Ein wenig vom Akzentrot im Hauptgrau oder ein Hauch vom Grau im Nebenblau verbindet alle Elemente subtil miteinander.
Das Wichtigste in Kürze
- Minimalismus ist Stärke: Eine Palette aus fünf hochwertigen Grundfarben ist flexibler und lehrreicher als ein großes Set billiger Farben.
- Der Untergrund ist entscheidend: Investieren Sie in schweres Papier (min. 300 g/m²) oder grundieren Sie MDF-Platten selbst, um das Wellen des Papiers zu verhindern.
- Pflege ist Ökonomie: Retten Sie eingetrocknete Pinsel mit Hausmitteln und halten Sie Ihre Farben mit einer DIY-Nasspalette tagelang frisch, um Material und Geld zu sparen.
Wie lernen Sie Proportionen zeichnen, ohne dass die Figuren „falsch“ aussehen?
Das Zeichnen von Menschen oder Tieren ist für viele Anfänger die größte Hürde. Das Gesicht sieht schief aus, die Arme sind zu lang, die Figur wirkt steif – das Gefühl, dass etwas „falsch“ aussieht, ist extrem demotivierend. Die gute Nachricht: Proportionen zu lernen ist keine Magie, sondern ein Handwerk. Es geht darum, das Sehen zu trainieren und sich von der Vorstellung zu lösen, eine Person zu zeichnen, und stattdessen Formen, Winkel und Abstände zu beobachten.
Der absolut beste und motivierendste Weg, dies in Deutschland zu lernen, sind Kurse an der Volkshochschule (VHS). Fast jede Stadt bietet extrem günstige Aktzeichen- oder Porträtkurse an. Unter professioneller Anleitung und in einer Gruppe von Gleichgesinnten verlieren Sie die Angst und lernen die Grundlagen in einem strukturierten Umfeld. Ein typischer Kurs umfasst oft 12 Abende und kostet um die 150 Euro – eine unbezahlbare Investition in Ihre Fähigkeiten.
Für das Selbststudium zu Hause gibt es eine legitime und von vielen Profis genutzte Technik, die Ihnen die Angst vor der leeren Leinwand nimmt: die Rastermethode. Sie ist kein „Schummeln“, sondern ein exzellentes Werkzeug, um Ihr Auge zu trainieren, genau hinzusehen.
- Drucken Sie ein Foto in der Größe aus, in der Sie es malen möchten.
- Zeichnen Sie mit einem Lineal und einem feinen Stift ein gleichmäßiges Gitter (z.B. mit 2×2 cm großen Quadraten) über das gesamte Foto.
- Übertragen Sie dasselbe Gitter mit einem leichten Bleistift proportional auf Ihre Leinwand. Wenn die Leinwand doppelt so groß ist, zeichnen Sie die Quadrate 4×4 cm groß.
- Übertragen Sie nun die Konturen und wichtigsten Linien, indem Sie sich immer nur auf ein einziges Quadrat konzentrieren. Anstatt „ein Auge“ zu zeichnen, zeichnen Sie nur die Linien, die Sie in diesem kleinen Kasten sehen.
- Sobald die Skizze übertragen ist, können Sie die Gitterlinien einfach übermalen.
Mit der Zeit werden Sie feststellen, dass Sie das Raster immer weniger benötigen, weil Ihr Gehirn gelernt hat, die Beziehungen und Abstände von selbst zu erkennen. Es ist die perfekte Brücke vom Abzeichnen zum freien Gestalten.